Durchfall

bei Katzen

Hat die Katze Freigang, fällt es zunächst gar nicht so sehr auf. Unangenehmer wird es, wenn sie die Katzentoilette in der Wohnung aufsucht: „es stinkt zum Himmel“. Die geruchlichen Abweichungen bzw. Unannehmlichkeiten sind das Erste, was dem Katzenbesitzer auffällt. Beim Nachsehen, spätestens aber beim Reinigen der Einstreu fällt ihm auf, dass der Kot weniger fest ist, möglicherweise eine andere Farbe aufweist oder evtl. von einer Schleimschicht überzogen ist. Ihre Katze hat Durchfall. Normalisiert sich die Kotqualität nicht bis zum nächsten Tag, suchen Sie bitte mit Ihrem Tier einen Tierarzt auf. Dieser wird die Ursache des Durchfalls abklären, die vielfältig sein können. Neben einer Infektion mit Bakterien oder Viren kommen unter anderem Parasiten, Organerkrankungen sowie verschiedenste ernährungsbedingte Störungen in Betracht.

Im Folgenden soll schwerpunktmäßig auf ernährungsbedingte Faktoren als Auslöser von Durchfallerkrankungen bei Katzen eingegangen und mögliche diätetische Maßnahmen im Einzelfall aufgezeigt werden.

Wann spricht man eigentlich von Durchfall?

Beim Durchfall (= Diarrhoe) handelt es sich um den Absatz eines ungeformten bis flüssigen Kotes. Dieser kann cremig-braun, grünlich oder auch zementfarben sein und Blut- oder Schleimbeimengungen enthalten.

Um die Ursache für den Durchfall zu finden und dann entsprechende Fütterungsratschläge geben zu können, ist das Abarbeiten einer Checkliste hilfreich. Hierzu sollte der Katzenbesitzer folgende Fragen beantworten:

FRAGE 1
FRAGE 2
FRAGE 3
FRAGE 4
FRAGE 5
FRAGE 6
FRAGE 7
FRAGE 8
Wie lange hat die Katze den Durchfall schon?
Was wird momentan gefüttert?
Wurde die Fütterung schon einmal komplett eingestellt und wie verhielt es sich dann mit dem Kotabsatz?
Trat der Durchfall in einem engen zeitlichen Zusammenhang zu besonderen Ereignissen auf (Futterwechsel, besondere Stresssituationen, erstmalig Freigang etc.)?
Wie ist der Kot beschaffen (Menge, Farbe, Blut-/Schleimbeimengungen)?
Wie oft wird der Kot abgesetzt?
Hat die Katze an Gewicht verloren?
Wann wurde die letzte Entwurmung vorgenommen? Welches Präparat wurde dabei gegeben?

Wo liegt die Ursache für das Auftreten von Durchfall?

Allein die Menge und Farbe des Kots geben schon wichtige Hinweise, ob die Störung im Dünn- oder Dickdarm vorkommt. Im Dünndarm findet eine enzymatische Verdauung statt, im Dickdarm wird das Futter in erster Linie durch die dort vorliegende Darmflora (Mikroben) mikrobiell verdaut. Große weichbreiige Kotmassen mit gelb-grüner Farbe deuten somit auf eine Störung im Bereich des Dünndarms hin (d.h. das Futter wurde nicht in ausreichendem Umfang verdaut). Schleim- oder Blutbeimengungen sprechen hingegen für eine Störung im Dickdarm (Hauptort der mikrobiellen Verdauung).

Bei einem plötzlichen Futterwechsel oder der Auswahl ungeeigneter Futtermittel kann es zu einer INTOLERANZ kommen. So sollten beispielsweise bei der Katze, die ein echter Fleischfresser ist, Futtermittel oder Komponenten mit höheren Kohlenhydratgehalten (z.B. Zucker, Stärke, Faserstoffe) nur in einem begrenzten Umfang gefüttert werden. Ein einfaches Beispiel ist die Fütterung von Milch. Junge Katzen besitzen Laktase, ein Enzym zur Verdauung der Laktose aus der Milch. Zwischen der 4. und 7. Lebenswoche geht die Produktion dieses Enzyms zurück – insbesondere wenn keine Milch mehr zugefüttert wird. Wird danach erneut Milch an adulte (ausgewachsene) Katzen gefüttert, wird die darin enthaltene Laktose durch die fehlende Laktase nicht mehr abgebaut. Da Milchzucker eine laxierende (=abführende) Wirkung hat, kommt es dann zum Absatz eines dünnbreiigen Kots. Dies geschieht bei Laktoseaufnahmen von mehr als 2 g pro kg Körpermasse und Tag. Berücksichtigt man den Laktosegehalt von Kuhmilch, entspricht dies einer Menge von mehr als 50 ml pro kg Körpermasse und Tag. Eine 4 kg schwere Hauskatze dürfte somit maximal 200 ml Milch trinken.

Aber auch Stärke sollte limitiert werden (< 7 g pro kg Körpermasse und Tag). Wird zu viel Stärke aufgenommen, reicht die enzymatische Aktivität im Dünndarm nicht mehr aus, um die gesamte Stärke dort abzubauen. Folglich gelangt die bis dahin nicht abgebaute Stärke im Verdauungstrakt weiter nach hinten und somit in den Dickdarm. Dort findet eine mikrobielle Verdauung statt. Diese mikrobielle Stärkefermentation im Dickdarm kann es zu einem fermentativ-osmotisch bedingten Durchfall führen, d.h. durch die bakterielle Fermentation der Stärke kommt es zu einem Wassereinstrom in den Darm und der Kot wird demzufolge breiig. Günstiger ist es, wenn die Stärke aufgeschlossen und somit für die Enzyme besser abbaubar ist. Ein guter Aufschluss der Stärke wird durch höhere Temperaturen erreicht. Durch ein Erhitzen (z.B. durch Kochen) wird eine Gelatinisierung der Stärke erreicht und die Struktur quasi „aufgeknackt“, so dass die Enzyme die Stärke in dieser Form besser verdauen können.

Durchfall tritt auch dann auf, wenn hohe Anteile an schlechter verdaulichen bindegewebsreichen, faser- und kohlenhydratarmen Futtermitteln wie z.B. Lungen- oder Lebergewebe gefüttert werden. Gerade Leber wird bei Katzen gerne als Ergänzung zum Alleinfutter oder auch ausschließlich gefüttert. Oftmals geschieht dies mit dem Argument, die Katze würde es doch so gerne mögen und auch nichts anderes fressen. Eine übermäßige Fütterung dieser Komponenten kann zu Dysbiosen (d.h. Störungen in der Mikroflora) im Magen-Darm-Trakt führen. Innerhalb der Mikroflora kommt es zu einer Verschiebung zu Clostridien und anderen proteolytischen Keimen, die eine Bildung von Ammoniak, Aminen und Toxinen und damit eine verstärkte Sekretion und reduzierte Wasserabsorption im Darm (→ beiiger Kot) zur Folge haben.

Schließlich ist noch die ALLERGIE als Ursache für Durchfallerkrankungen zu nennen. Diese spielen in der Kleintierpraxis eine zunehmende Rolle. Sie beruhen darauf, dass unvollständig verdaute Bestandteile von Futterproteinen in Form von Peptiden (Eiweißbruchstücke) die Darmwand passieren und dann im darmanhängenden lymphatischen Gewebe eine immunologische Reaktion auslösen. Manche Katzen reagieren nicht nur auf eine Komponente im Futter, sondern gleich auf mehrere. Um herauszufinden, welche Komponente das im Einzelnen ist, muss man kriminalistisch vorgehen. Eine bewährte Methode ist dabei der Einsatz einer sogenannten Eliminationsdiät. Dabei wird zunächst bewusst auf alle Komponenten verzichtet, mit denen die Katze bisher Kontakt hatte. Studieren Sie daher die Deklarationen der bisher gefütterten Rationen sorgfältig. Mitunter hilft es auch, sich eine Tabelle hierzu anzulegen zu den Futtermitteln, die bisher gefüttert wurden (s. Tabelle 4).

Tab. 4: Mögliches Vorgehen zur Eingrenzung einer allergenen Futterkomponente

Komponente im Futter Futter A Futter B Futter C
Rind x x
Huhn
Fisch x
Garnelen x
Vollei x
Reis x

X = ist im Futter enthalten

Sehr schnell wird in diesem Beispiel durch diese Vorgehensweise deutlich, dass die Katze kein Huhn bekommen hat. Dieses wäre dann die im Rahmen der Eliminationsdiät zu prüfende Komponente. Sind alle gängigen Komponenten bereits gefüttert worden, so muss in manchen Fällen auf exotischere Futtermittel (z.B. Kamel, Känguru usw.) ausgewichen werden. Nach einem Zeitraum von etwa 6 bis 8 Wochen (in denen außer dieser Komponente nichts anderes gegeben wird) kann eine weitere Komponente für wiederum 6 bis 8 Wochen gefüttert werden. Durch dieses Vorgehen baut man nach und nach eine komplette Ration zusammen. Es ist hilfreich, in dieser Zeit ein Tagebuch zu führen. Kommt es bei Einsatz einer Komponente zu Durchfall, ist deren Fütterung sofort  abzubrechen.

Neben dieser Eliminationsdiät, die manchem Katzenbesitzer zu aufwendig ist, können auch sogenannte hypoallergene Diäten gefüttert werden. Dabei sind die Proteine im Futter durch bestimmte Verfahren in einzelne Bausteine zerlegt und damit ihre Struktur verändert worden, so dass sie vom Immunsystem nicht mehr als Allergen erkannt werden.

Egal für welche Variante Sie sich entscheiden, ich bin Ihnen gerne bei der Auswahl eines entsprechenden Diätfutters bzw. der Konzeption einer individuell angepassten Eliminationsdiät behilflich.